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Editorial: Hilf meinem Unglauben

Nach einer ganz besonderen Glaubenserfahrung auf dem sogenannten Berg der Verklärung (Mk 9,2-8) trifft Jesus auf eine ganz andere Wirklichkeit (9,14-27). Einige seiner Jünger streiten mit einem Vater; auch ein paar Schriftgelehrte mischen sich ein. Die Stimmung ist geladen.

Jesus ist verärgert über das, was er da sieht. Seine Jünger haben die Situation nicht im Griff. Sie haben versucht einen Jungen zu heilen, aber sie haben dabei versagt. „Habt ihr denn gar nichts gelernt, seid ihr mit mir unterwegs seid?“ fragt er sie (v.19). Er redet mit dem Vater des Jungen. Der bittet Jesus, ihm zu helfen, wenn es ihm möglich ist. Das ist nicht die Haltung, die Jesus sich wünscht. „Wenn es dir möglich ist?“ wiederholt Jesus die Frage (v.23). Offensichtlich zweifelt der Vater daran, dass Jesus ihm wirklich helfen kann oder will. „Dein Glaube hat dir geholfen“ – das sprach Jesus vielen Menschen zu, nachdem er sie geheilt hat (z.B. Mk 5,34; 10,52). Der Glaube ist es, der den Unterschied macht. Aber der Vater hat offensichtlich nicht genug glauben. Er sagt Jesus die widersprüchlichen Worte: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (v.24)

Geht es uns nicht oft so wie dem Vater in diesem Moment? Wir sind herausgefordert in unserem Leben in einer bestimmten Situation unser Vertrauen ganz auf Gott zu setzen. Wir haben die Worte von Jesus im Ohr: „Für den, der glaubt, ist alles möglich!“ (v.23) Was für eine herausfordernde Aussage!

Wenn ich aber in mein eigenes Leben schaue, muss ich feststellen: „Mein Glaube ist scheinbar nicht groß genug“. An dieser Stelle könnte ich verzweifeln und aufgeben. Das hat ja alles keinen Sinn. Ich schaffe es nicht.

Oder ich könnte von dem Vater in der Geschichte lernen. Wenn mein Glaube nicht groß genug ist, dann komme ich ehrlich zu Gott und sage ihm, wie es ist: „Ich glaube! Hilf meinem Unglauben!“ Oder anders gesagt: „Ich möchte gerne erleben, wie du in meinem Leben wirkst. Aber du musst mir dabei helfen, es auch wirklich zu glauben!“

Glaube ist kein Werk, dass wir tun können, um Gottes Gunst zu erarbeiten. Auch der Glaube ist ein Geschenk Gottes, ein Ausdruck seiner Liebe zu uns. So verdeutlicht diese Geschichte das, was Paulus später in Philipper 2,13 so ausdrückt: „Gott selbst ist ja in euch am Werk und macht euch nicht nur bereit, sondern auch fähig, das zu tun, was ihm gefällt.“

Aus dem aktuellen Gemeindebrief Januar / Februar 2020.