

Während meiner Auszeit hatte ich die Möglichkeit einige Tage in Jerusalem zu verbringen. Das war eine sehr bewegende und eindrückliche Erfahrung. Ich habe diese Zeit vor allem in der Altstadt Jerusalems verbracht. Ich konnte den Tempelberg besuchen, der unglaublich riesig ist. Was muss das für ein Anblick gewesen sein, als tausende Juden zur Passah-Zeit zum Tempel gepilgert sind.
Vom Tempel ist nichts mehr übrig geblieben. Und auch der Tempelberg selbst wurde mehrfach zerstört und neu aufgebaut.
Ich war dann aber auch an der Klagemauer. Das ist der einzige Ort, an dem die Juden in der Nähe des alten Tempels frei und öffentlich beten können. Ich habe mir die Zeit genommen und mich ungefähr eine Stunde zwischen die betenden Juden gesetzt und das auf mich wirken lassen. Der Schmerz über den Verlust ihres Heiligtums ist immer noch zu spüren. Sie sind so nah dran und doch ist dieser für sie heilige Ort verloren.
In Johannes 3 ist das Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen überliefert. Sie fragt Jesus, wo der richtige Ort ist, um Gott anzubeten. Jesus antwortet ihr: „Glaub mir, Frau: Es kommt die Stunde, in der ihr den Vater weder auf diesem Berg noch in Jerusalem verehren werdet.“
Auch wenn ich den Schmerz der Juden über den Verlust des Tempels nachfühlen kann, ist mir in dem Moment wieder neu bewusst geworden, dass mit Jesus wirklich etwas neues begonnen hat. Gott bindet sich nicht mehr an bestimmte Orte. Gottes Gegenwart ist nicht begrenzt auf Steine und Mauern. Das Allerheiligste Gottes befindet sich nicht mehr auf dem Tempelberg, sondern in den Herzen der Gläubigen.
Paulus schreibt über die Gemeinde (1. Kor 3,16-17): „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und Gottes Geist darin wohnt? Wer den Tempel Gottes zugrunde richtet, den wird Gott zugrunde richten. Denn der Tempel Gottes ist heilig. Und dieser Tempel seid ihr.“
Wo Menschen verbunden durch den Geist Gottes im Glauben an Jesus zusammenkommen, um in Frieden und mit Dankbarkeit Gott anzubeten, dort wohnt Gott. Da kommt er uns auf eine besondere Weise ganz nah. Wow, was für ein Gedanke! Was für eine Ehre kommt hier Gemeinde zu?
Und gleichzeitig ist es auch ein Auftrag an uns. Unser Auftrag ist es, diesen Ort der Gegenwart Gottes zu bewahren. Nicht das Holz und die Steine, sondern unser Miteinander, unsere Gemeinschaft als geliebte und erlöste Kinder Gottes.
Dieses Editorial ist aus dem aktuellen Gemeindebrief. Du findest unsere aktuellsten Gemeindebriefe immer hier: https://www.efg-augustfehn.de/medien/gemeindebrief/
